Think Tank

FSTI Think Tank

Die Gesellschaft im Kontext der digitalen Transformation

Die fortschreitende Konvergenz von Technologien, getrieben von Digitalisierung, verbunden mit neuesten Entwicklungen hin zu künstlicher Intelligenz, autonomen Robotern und selbstlernenden Maschinen wirft bei der Bevölkerung viele Fragen auf und kann bis hin zu einer grundsätzlich ablehnenden Haltung führen.

Als gemeinnütziges Forschungsinstitut beschäftigen wir uns mit der Konvergenz von Technologien und hier insbesondere mit den Auswirkungen von Digitalisierung und Vernetzung für Unternehmen und Gesellschaft. Die gesellschaftliche Dimension ist in unseren Forschungsprojekten grundsätzlich ein essentieller Teilbereich.
Dazu wird eine sehr breite über alle Disziplinen reichende Expertise benötigt, die immer wieder über das im Institut vorhandene Wissen hinausgeht. Hierfür wurde der FSTI Think Tank initiiert.

Das Gremium beleuchtet vom Institut vorgelegte Fragestellungen aus der eigenen Erfahrungsperspektive und gibt so Anregungen für das FSTI-Team, wie die entsprechenden Forschungsfragen umfassend gestaltet werden können. Weiterhin bringt das Gremium eigene Fragestellungen in die Diskussion ein und erweitert so den Forschungshorizont der Institutsarbeit.

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1. Sitzung, April 2024

Thema:
Einbindung der Gesellschaft bei der Integration von neuen Technologien
Impuls:
Die Teilnehmer erleben einen aufgebauten Selbstversuch von Personentracking durch einen im Raum installierten Sensor. Es wird demonstriert, welches Maß an Personenerkennung in den verschiedenen Gerätemodi möglich ist.
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Auszug aus den Ergebnissen:
Es muss klar sein, wer der Betreiber ist
Wenn der Nutzen transparent gemacht wird, steigt das Vertrauen
Die Balance zwischen Nutzen (z.B. Sicherheit) und Gefahr (systematische Überwachung) muss gefunden werden
Vorgaben von gesetzlicher Seite schränken die Nutzung ein
Bei der Nutzung von Smartphones und Logins über soziale Medien ist die Gesellschaft weniger misstrauisch
Wird es eine Gewöhnung an Monitoring im öffentlichen Raum geben?
Kulturelle Dimension: Unterschied zwischen Asien vs. Europa
Generationsunterschied: Junge Menschen vertrauen bedenkenlos in den sozialen Medien
Wer könnte für technische Zertifizierung sorgen? TÜV, Staat? Wer vermittelt Sicherheit und Vertrauen?
Zertifizierung führt zu mehr Bürokratie

2. Sitzung, November 2024

Thema:
Welchen Einfluss haben neue Technologien auf unsere Gesellschaft?

 

Impuls:
Daniel Burkhardt „Wie beeinflusst KI unsere Entscheidungen?“

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Auszug aus den Ergebnissen:
Wie geschieht gesellschaftliche Verhaltensänderung?
Ist eine gesellschaftliche Wertveränderung festzustellen?
Welchen Einfluss haben neue Technologien und soziale Medien darauf?
Wie beeinflusst z.B. Transparenz beim Einkauf (Inhaltsstoffe, Nachhaltigkeit, Regionalität) das Einkaufsverhalten der Bevölkerung?
Wie beeinflussen neue Technologien in Verbindung mit Gamification das Verhalten der Gesellschaft? (z.B. Vergleich des eigenen CO2 Fußabdrucks mit dem Durchschnitt der Bürger, oder das optische Anzeigen der eigenen Fahrgeschwindigkeit mit Smiley)
Welche Formen des Missbrauch oder Missinterpretation durch zu starke Vereinfachung gibt es dabei? (z.B. Vergleich „Avocado statt Weltreise“)
Wo beginnt Manipulation?

3. Sitzung, Mai 2025

Die dritte Sitzung war thematisch dem aktuellen Wandel der Gesellschaft in Deutschland gewidmet. In drei Themenfeldern wurde diskutiert, was die Veränderungen vorantreibt, wie sie sich der geopolitsch, globalwirtschaftliche und demografisch induzierte Wandel auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirkt und inwieweit und in welcher Form sich die Wissenschaft damit auseinandersetzen sollte.

Impuls:
Prof. Dr. David Rygl „Der Wirtschaftsstandort Deutschland im Wandel“

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Auszug aus der Diskussion:
Teil 1: Der wirtschaftliche Wandel

Bildung und Ausbildung im Betrieb:

Alles ist komplexer geworden, dem wird z.B. die Ausbildung im Handwerk nicht mehr gerecht. Dazu kommt durch die Zuwanderung das Sprachproblem und generell die Motivation der jungen Generation. Anzahl der Jugendlichen mit Förderbedarf steigt.
Es gibt aber auch vielfältige Chancen durch die Zuwanderung aus Ländern mit viel schlechteren Chancen.
Das System der Dualen Ausbildung ist zukunftsfähig, muss aber stetig angepasst werden
Die junge Generation hat andere Denkmuster – nicht unbedingt schlechtere. Sie hat aber auch keine Chance mehr, Vermögen aufzubauen, das weitergegeben werden könnte.
Wir müssen länger arbeiten, um der Demografie entgegenzuwirken. Die Rentensituation schürt Ängste bei der jungen Generation.

Industrie und Mittelstand (insbesondere im Handwerk):

Forderung nach staatlichen Leitplanken und unternehmerischer Souveränität. Sie ist das Erfolgsrezept des Unternehmers („ich kann aufstehen und gehen“).
Die Problemfelder rund um die Energie sind problematisch für den Wirtschaftsstandort.
Neue Konzepte wie Pay per Use
Es fehlen digitale Kompetenzen
Nachfolgeprobleme

Politik und Wirtschaft:

Eine Demokratie ohne klare politische Mehrheiten hindert klare Impulse
Ist Kündigungsschutz soziale Errungenschaft oder Entwicklungshemmer
Staatlicher Protektionismus vs. Globalisierung
Teil 2: Wie sollte die Wissenschaft sich dafür einbringen?
Die Wissenschaft kann (neutral!) erklären, sollte aber nicht politisch entscheiden (Bsp. Virologen während Corona) > Holistische Betrachtung von Problemstellungen, Lösungswege aufzeigen, entstandene Bewertungen ggf. falsifizieren
Transparenz in Entscheidungswege bringen
Es müssen alle Aspekte einbezogen werden (s. sozialgesellschaftliche Auswirkungen der Corona Lockdowns)
Transparenz für die Bevölkerung fördert das Verständnis
Wissenschaft muss vom Nutzen her angegangen werden. Wissenschaftler sollten reale Wirtschaft aus eigener Erfahrung kennen („Professor als Bäckereipraktikant“)
Neutrale Wissenschaft kann gefährdet sein, wenn sie von (bestimmten) Wirtschaftszweigen finanziert wird
Sollte der Staat die Themen bestimmen/fördern?
Teil 3: Forschung im Verteidigungs-/Militärumfeld
Sondervermögen auch für Forschung nutzen
Forschung im Verteidigungsumfeld hat häufig hybriden Nutzen (Bsp. Landwirtschaft)
StartUps fördern
Auch Randbereiche erforschen (z.B. Historiker)
Sicht der Kirche: Du sollst nicht töten. Aber braucht es dafür nicht Abschreckung (mit Waffen)?
Ermutigt Verteidigungsfähigkeit zur Eskalation?
Friedensforschung, z.B. in der Ukraine-Krise
Wo ist die Grenze zwischen Verteidigung, Abschreckung, Kriegsfähigkeit?
Forschung für Transparenz in Auseinandersetzungen: z.B. woher kamen die Schüsse? Aber: Damit kann man aber auch gezielt die Schussrichtung optimieren
Gibt es eine Wertegemeinschaft auf europäischer Ebene?

4. Sitzung, November 2025

Digitale Souveränität als gemeinsame Gestaltungsaufgabe

Wie kann Europa in einer technologisch abhängigen und sicherheitspolitisch herausfordernden Welt handlungsfähig bleiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt der vierten Sitzung des FSTI-Think Tanks am 7. November 2025 auf dem Bildungscampus Heilbronn.

In der Sitzung wurde digitale Souveränität als mehrdimensionale Herausforderung diskutiert: Sie betrifft nicht nur Technologien und Infrastrukturen, sondern ebenso Versorgungssicherheit, resiliente Organisationen, vertrauenswürdige Datenräume, KI-Anwendungen und neue Formen der Kooperation.

Ein Impuls von Prof. Dr. Daniel Werth zeigte, wie eng Europas innere und äußere Sicherheit mit digitaler Handlungsfähigkeit verbunden ist. Grundlage waren aktuelle Arbeiten des FSTI zu digitalen Ökosystemen, Datenräumen, KI-basierten Anwendungen und Fragen der Vertrauenswürdigkeit technischer Systeme. Deutlich wurde, dass digitale Souveränität nicht allein durch technologische Lösungen entsteht, sondern durch ein Zusammenspiel von strategischen Zielbildern, sicheren Infrastrukturen, rechtlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlicher Akzeptanz.

In der Diskussion wurden drei Impulse als Perspektive aus Handwerk, Wissenschaft und Kirche eingebracht.

Das Handwerk, vertreten durch einen Backerei-Unternehmer, formulierte vor allem die Wichtigkeit der dezentralen Organisation unserer Lebensmittelversorgung sowie die Gefahren der Versorgungssicherheit mit Produktionsmitteln, z.B. Energie. Aber auch der Nachwuchsmangel wurde thematisiert und einer möglichen Wehrpflicht gegenübergestellt.

Aus wissenschaftlicher Sicht standen Forschungssicherheit, offene Wissenschaftssysteme und der verantwortungsvolle Umgang mit Wissen im Mittelpunkt. Als aktuelle Gefahr wurde vor allem unerwünschte Einflussnahme und Wissensabfluss angeführt. Die Forschenden müssen sensibilisiert werden, damit Freiheit versus Sicherheit sinnvoll austariert werden kann.

Die kirchlich-soziale Perspektive betonte Fürsorgenetze, Notfallstrukturen und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Krisensituationen. Und als Lösungsangebot: Sagen, was Sache ist und die Menschen einbinden.

Die Sitzung machte deutlich: Digitale Souveränität ist kein isoliertes IT-Thema, sondern eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe von Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Der FSTI-Think Tank bietet dafür einen interdisziplinären Vertrauensraum, in dem Forschungsfragen geschärft, gesellschaftliche Perspektiven aufgenommen und Impulse für anwendungsorientierte Projekte entwickelt werden.

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5. Sitzung, April 2026

Neue Technologien im Gesundheitswesen

Die fünfte Sitzung…

Impuls:
Prof. Dr. Uwe K. Schneider „Übersicht der einschlägigen Gesetze und Rechtsverordnungen“

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Case 1 – Care.box auf dem Bildungscampus
Impuls von Dr. Andreas Tosch, MVZ Giengen
Ausgangslage/Probleme: starre Strukturen (u. a. Kassen/Kammern), Personalmangel, politische Rahmenbedingungen; mangelnde Zusammenarbeit zwischen stationären und ambulanten Akteuren; fehlende Verantwortlichkeiten.
Digitalisierung als Hebel; Hürde: Auswertung sensibler Daten/Datenschutz.
Akzeptanz: Bevölkerung muss mitgenommen werden (Aufklärung, ggf. unterstützt durch KI).
Marktübersicht: Vielzahl digitaler Praxislösungen (z. B. KI-Triage/Telefonassistenz, automatisierte Befundbewertung, digitaler Check-in, Videosprechstunde, Terminoptimierung, Dokumentations-KI, Wearables, Übersetzung medizinischer Befunde).
Versorgungslage regional: Hinweise auf deutlich schlechtere Versorgung in ländlichen Regionen; Beispielhafte Kennzahlen/Beobachtungen zu hoher Auslastung und steigender Unterversorgung.
Niederschwelliger Zugang und Akzeptanz für Modelle wie „care.box“ als Schlüsselfaktor.

Diskussion zu Case 1:

Videosprechstunde: Vergütung/zeitliche Vorgaben wurden als begrenzender Faktor genannt.
Einsatz von Sprach-/Assistenzmodellen: Bedarf an Orientierung/Erprobung; freie Auswahl und Testen wurden angesprochen.
Akzeptanz von KI-Empfehlungen: Vertrauen in ärztliche Entscheidungen aktuell höher; Vertrauensaufbau in KI/Technik notwendig.
Eigenverantwortung und Inanspruchnahme: Diskussion über „Vollkasko“-Mentalität und Anreiz-/Steuerungsmechanismen (z. B. Umgang mit Krankschreibungen, Fehlanreize).
Versorgung von Kindern/Jugendlichen: psychische Gesundheit als Thema; rein technische Lösungen reichen nicht aus.
care.box/Telemedizin: Nutzen vs. Alternativen über Mobilgeräte; Ergänzung um weitere Dienstleistungen (z. B. Apotheke) könnte Attraktivität erhöhen.
Evaluation/Wirksamkeit: Bedarf an systematischer Bewertung und Finanzierung von Evaluierungen; zu viele suboptimale Angebote am Markt.
Rolle von Regulierung/Politik: Frage nach Verantwortung und Ressourcenbereitstellung für Verbesserungen.
Case 2 – Datengestützte Verbesserung der Rehospitalisierungsrate in der stationären Pflege
Impuls von Dr. Jan Vagedes, Filderklinik
Ansatz: „erst KI, dann menschliche Überprüfung“ (Human-in-the-loop).
Hinweis auf Studienlage: Videosprechstunde kann in bestimmten Settings gute Ergebnisse erzielen.
Daten/Innovation: Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Datennutzung; Bedarf an pragmatischen, sicheren Umgebungen und klaren Regeln (personenbezogen vs. anonymisiert/re-identifizierbar).
Datenbasis: Relevanz auch von Daten „gesunder“ Personen für Modelle/Prävention wurde diskutiert.
Anreize/Programme: Beispiele für Bonus-/Tracking-Modelle als mögliche Motivation zu Prävention und Datenteilung.
Mentale Gesundheit: Telemedizin mit Messwerten eher geeignet; bei psychischen Erkrankungen/ Selbstdiagnose bestehen besondere Risiken.
Sicherheits- und Kommunikationsaspekte: Warnsysteme können unerwünschte Effekte (z. B. Angst/Panik) auslösen; Handlungsanleitungen und Transparenz sind wichtig.
Pflege/Delegation: Potenzial durch Delegationsregeln/Leitlinien zur Entlastung, sofern regulatorisch gestützt.

Diskussion zu Case 2:

Klärung, welche konkreten Use-Cases priorisiert und wie Erfolg/Qualität (Evaluation) gemessen werden sollen.
Rahmen für Datenschutz/Datennutzung definieren (sichere Umgebungen, Re-Identifizierbarkeit, Governance, Transparenz gegenüber Nutzenden).
Maßnahmen zur Akzeptanzsteigerung: Kommunikation/Aufklärung, Vertrauensbildung, klare Handlungsanleitungen.
Prüfen von Anreizsystemen/Präventionsansätzen und Einbindung relevanter Akteure (u. a. Pflege/Delegation).

Ihre Ansprechpartner

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Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Norbert Höptner
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Claudia Franz
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